Seit einigen Jahren wird die Mikrotechnik verstärkt für die industrielle Verfahrenstechnik genutzt, um beispielsweise spezielle Chemikalien herzustellen. Durch das extrem schnelle und gleichmäßige Mischen und Temperieren auf kleinem Raum eröffnen die Mikroingenieure den Chemikern vollkommen neue Möglichkeiten. Am Institut für Mikrosystemtechnik der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität wurde ein System entwickelt, welches diese Vorteile mit einem einfachen modularen System - aufbauend auf handelsüblichen Laborzentrifuge - kombiniert.
Die Arbeitsgruppe am Lehrstuhl von Prof. Zengerle verfolgt dabei einen innovativen Ansatz, welcher die geringen Produktionsdurchsätze als klassischen Flaschenhals üblicher Mikroreaktoren erheblich aufweitet. Um einen hohen Stoffdurchsatz zu ermöglichen, werden die Flüssigkeiten mit der Zentrifugalkraft durch den mit bis zu 100 Umdrehungen pro Sekunde sehr schnell rotierenden Reaktor geschleudert. Unter diesen hohen Drehraten kommt es zu einer extrem starken Coriolis-Kraft. Diese Kraft, welche auf der langsam rotierenden Erde z.B. bei der Wirbelbildung in atmosphärischen Strömungen eine wichtige Rolle spielt, dient in dem neuartigen Coriolis Mikroreaktor als berührungsloser Rührer. Mit Durchsätzen von bis zu 100 Litern pro Stunde schließt dieser Coriolis Mikroreaktor die Lücke zwischen Laborgeräten und Großchemie.
HSG-IMIT
Institut für Mikro- und
Informationstechnik
Wilhelm-Schickard-Str. 10
D-78052 Villingen-Schwenningen